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Von 1983 bis 2008:
25 Jahre
Schlangenbrut !

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Mehr als ein Grund zum Feiern!

Die Schlangenbrut wird 25

Feiern – mit diesem Schwerpunktthema erscheint das erste Heft des Jahrgangs 2008 der Schlangenbrut, der ältesten Zeitschrift für feministisch und religiös interessierte Frauen im deutschsprachigen Raum. Das Thema ist mit Grund gewählt: Die Schlangenbrut wird 25!

1983 wurde die Zeitschrift von feministischen Theologinnen gegründet, bis heute löst der Name mal Begeisterung, mal Irritation aus. Die Gründerinnen suchten schon einen provozierenden und kämpferischen Namen, aber der Zeitschriften-Name sollte auch die Vieldeutigkeit der Frauengeschichte und des Frauenlebens spiegeln: Die Schlange als altes Symbol für Weisheit und Leben, und nicht mehr als Symbol patriarchaler Sündenphantasien.

 



Die Redaktion - fast vollständig zusammen:
Christine Hoefermann, Antje Röckemann, Barbara Maira Benoit, Christina Leisering, Britta Hoffmann, Heike Harbecke, Almuth Voss, Rafaela Eulberg, Aurica Nutt (von links). Nicht auf dem Foto: Janet Hromadko, Vanessa Görtz.


Offen, interreligiös und vielfältig

Seit 1983 ist vierteljährlich ein neues Heft erschienen, in denen Texte von und für Frauen aus verschiedenen religiösen Traditionen und gesellschaftlichen Kontexten sich mit dem auseinandersetzen, was Frauen umtreibt und bewegt. Jede Ausgabe hat dabei ein eigenes Schwerpunktthema und bietet Interviews, Rezensionen, Nachrichten und Termine. Die Schwerpunktthemen wollen Einblicke in aktuelle Debatten bieten und neue Diskussionen anregen.

Redakteurin Aurica Nutt betont: „Die Schlangenbrut bemüht sich ständig aufs Neue, sowohl alltägliche Erfahrungen als auch die neuesten wissenschaftlichen Entwicklungen ausgewogen aufzunehmen und darzustellen – und damit immer mehr darauf hinzuarbeiten, dass Theorie und Praxis keine Gegensätze mehr sind.“ Neben feministisch-politischen Themen wie Gewalt gegen Frauen oder Krie“ stehen theologische und spirituelle Schwerpunkte wie Konvertieren, Himmel oder Rituale. Einige Ausgaben beschäftigen sich stärker mit theoretischen Fragestellungen wie das Heft Gender Studies, andere mit ganz alltäglichen Erfahrungen wie Spiel oder Tanz.

Die Schlangenbrut ist keiner Richtung der Feministischen Theologie verpflichtet. Seit ihrer Gründung versteht sie sich als Forum für Diskussionen und Meinungsvielfalt. Deshalb ist den Redakteurinnen der Blick in andere kulturelle und religiöse Kontexte als die eigenen besonders wichtig. In den letzten Jahren sind so die Ausgaben „Lateinamerikanische Befreigungstheologie“ und „Mediterrane Theologie“ sowie das Heft „Islam der Frauen“ erschienen. Seit der Gründung versucht die Schlangenbrut den Frauen, die aus den Kirchen ausgetreten sind oder keiner der großen (kirchlichen) Religionsgemeinschaften angehören, ein Forum für feministisch-spirituellen Austausch zu bieten. Die Reihe Jahreskreis von Ziriah Voigt, in der die Autorin in den Heften 81-89 verschiedene Rituale für Frauen von Kräuterweih bis Sommersonnenwende vorstellte, konnte diese Ausrichtung vertiefen. Daneben ist der interreligiöse Dialog mittlerweile zu einem zentralen Anliegen geworden, das das Profil der Schlangenbrut entscheidend prägt.

Antje Röckemann, Redakteurin der Schlangenbrut, möchte diesen Dialog in den kommenden Jahrgängen noch stärker vertiefen, betont aber auch das bisher Erreichte: „Wir sind stolz auf unseren interreligiös besetzten Beirat und die vielen jüdischen und muslimischen Autorinnen, die ganz selbstverständlich für unsere feministisch-theologische Zeitschrift schreiben. Ich wünsche mir, dass wir diesen Kreis noch erweitern können, auch im Blick auf weitere Religionen, z.B. Buddhismus. Und natürlich wünsche ich mir mehr Leserinnen aus der nicht-christlichen Konfessionen – und viele Leserinnenbriefe von ihnen, damit wir wissen, was sie interessiert.“

Die Schlangenbrut nimmt die ambivalenten und vielfältigen Beziehungen feministisch interessierter Frauen zu ihren Religionen ernst: Sie übt deutliche Kritik an allen Formen von Unrecht, würdigt aber auch das Bewahrenswerte an allen Religionen, in denen Frauen leben oder zu leben versuchen. Die Offenheit der Schlangenbrut für die verschiedenen religiösen und spirituellen Richtungen ist dabei nicht immer einfach. Sie bedeutet einen ständigen Spagat, um allen Leserinnen interessante Beiträge und Themen bieten zu können. Gerade diese Offenheit macht aber das besondere Profil der Schlangenbrut aus, das viele Leserinnen zu schätzen wissen.

 

Autonom und vernetzt

Die Schlangenbrut wurde 1983 gegründet und behauptet sich bis heute als autonomes Projekt. Maßgeblich dazu beigetragen haben mehrere Generationen an Redakteurinnen und Autorinnen, die unentgeltlich für die Schlangenbrut gearbeitet haben und arbeiten. Ohne das ehrenamtliche Engagement dieser vielen Frauen wäre die Schlangenbrut nicht denkbar.

Redakteurin Christina Leisering betont: „Es ist ein Glück, dass die Schlangenbrut immer noch autonom ist. Das macht uns zwar nicht frei von ökonomischen Überlegungen, aber wir können uns immer noch leisten, auch einmal Schwerpunktthemen zu wählen, die wichtig sind, die sich aber ‚nicht rechnen’. Besonders gelungene Hefte in den letzten Jahren – und trotzdem Ladenhüter sind Frauen in Osteuropa, Stimmen schwarzer Frauen oder Globalisierung. Sie stellen ganz wichtige Schlangenbruthefte dar, die über den (feministischen) Tellerrand hinausblicken und neue Möglichkeiten für Vernetzungen öffnen.“

Aus der Vernetzung mit anderen feministischen Initiativen entstanden mittlerweile drei Sonderausgaben, die Themen aufgreifen, die für ein Heftthema zu umfangreich oder zu speziell sind. Die Sonderausgaben erschienen zum Thema Tod und Trauer mit Beerdigungsansprachen aus feministischer Perspektive sowie zum interreligiösen und interkulturellen Bibliodrama als Festschrift für Leony Renk. Beide sind längst vergriffen. Eine dritte Ausgabe wurde unter dem Titel Vermessen! zum 65. Geburtstag von Elisabeth Schüssler Fiorenza herausgegeben. Dass der Schlangenbrut die Vernetzung mit anderen Initiativen und Zeitschriften wichtig ist, macht auch die neue Reihe Zeitschriftenwelten deutlich, in der in jeder Ausgabe eine feministische Zeitschrift aus einem anderen Land dieser Welt vorgestellt wird.

 

25 Jahre Schlangenbrut, 25 Jahre Frauenbewegung

Die Schlangenbrut konnte sich Vieles bewahren, was die Gründungsfrauen ihr mitgaben: Neben ihrem Namen, ihrer Offenheit und ihrer Unabhängigkeit auch ihre Arbeitsweise „von Frauen für Frauen“. In 25 Jahren hat sich aber auch vieles geändert. Während in der Anfangszeit die Redakteurinnen bis zum Versand hin alles selbst erledigten, gab es bald einen Verein mit Büro für die Verwaltungsarbeit, und das Layout wurde in professionelle Hände gegeben. Darüber hinaus wurden aus den bunten, streitlustigen Heften der Anfangszeit gut konzipierte Hefte mit einem inhaltlichen Schwerpunkt und verschiedenen Rubriken, die sich in die aktuellen Diskussionen – auch im akademischen Kontext – einschalten.

Vanessa Görtz, die jüngste Redakteurin der Schlangenbrut, wurde im Gründungsjahr 1983 geboren und betont: „Die frühen Ausgaben sind noch richtig ‚handgemacht’ und atmen den Geist eines autonomen Projekts. Die kämpferischen Beiträge repräsentieren die Frauenbewegung der 80er Jahre, die mir schon sehr fremd ist. Das Layout ist heute überaus professionell und vermittelt für mich den Eindruck, dass die Schlangenbrut ‚erwachsen’ geworden ist. Sie hat sich weiterentwickelt, so wie sich auch die Frauenbewegung entwickelt hat, und das Tolle an der Schlangenbrut ist, dass man in ihr diesen Prozess mitverfolgen kann. Das ist gerade für meine Generation besonders spannend.“

 

Zukunftsvorstellungen

Mit der Reihe Feminismus – zukunftsfähig?, die sich in den Heften 90-97 mit zahlreichen Interviews in die aktuellen Diskussionen um Feminismus und Feministische Theologie einmischte, hat die Schlangenbrut auch die Frage nach ihrer eigenen Zukunft gestellt. Die einstige „Streitschrift“ hat sich als Zeitschrift etabliert. Sie gehört zum Kanon der Fachliteratur in wissenschaftlichen Bibliotheken ebenso wie in Bildungshäusern und autonomen Initiativen.

Die Art des Fragens und Forschens hat sich mit der zunehmenden Institutionalisierung feministischer Theorie verändert – und das hat Auswirkungen auf die Schlangenbrut. Hierzu gehört z.B. die Verschiebung von der traditionellen Frauenforschung hin zu den Diskussionen der Gender Studies. Die Schlangenbrut möchte die nachkommenden Generationen ansprechen und sie für das begeistern, was Frauenforschung erreichen kann – daher muss sie diese neuen Strömungen (kritisch) aufnehmen. Sie will auch in Zukunft neue und unangenehme Fragen anstoßen, zum Nachdenken anregen und den Dialog zwischen Religionen, Konfessionen und den unterschiedlichen feministischen Richtungen fördern.

Das Engagement von Frauen für Frauen bleibt unverzichtbar in Gegenwart und Zukunft.

Die Redaktion, Februar 2008